
Photocredit: © EYE AM CHRIS
Würdigung für herausragendes Engagement für eine gemeinwohlorientierte, rechtssichere Digitale Transformation
Der 13. For..Net Award wurde in diesem Jahr zweimal vergeben: Ausgezeichnet wurden Prof. Dr. Anne Paschke und Prof. Dr. Sarah Rachut, beide TU Braunschweig. Die Preisverleihung erfolgte am 7. Juli 2026 im Rahmen des 20. Internationalen For..Net Symposiums in München.
Mit dem For..Net Award werden Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderer Weise um Digitalisierung, Recht und Gemeinwohl verdient gemacht haben. Die Jury würdigte beide Preisträgerinnen für ihr jahrelanges persönliches und überobligatorisches Engagement für eine Digitale Transformation, die nicht allein technisch gedacht wird, sondern Menschen konkret zugutekommt, rechtsstaatlich abgesichert ist und gesellschaftlicher Verantwortung gerecht wird.
Die Laudationes der Jury wurden von Isabelle Ewald, For..Net Media Preisträgerin 2021, sowie von Prof. Dr. Dirk Heckmann, Direktor des TUM Center for Digital Public Services und Initiator des Preises, gehalten.
Prof. Dr. Anne Paschke wurde für ihr herausragendes Wirken an der Schnittstelle von Rechtswissenschaft, digitaler Verwaltung, agilem Regierungshandeln und Justizdigitalisierung ausgezeichnet. Ihre Arbeit steht für eine Digitalisierung, die institutionelle Verantwortung ernst nimmt. Nicht die technische Möglichkeit steht im Zentrum, sondern die Frage, wie digitale Systeme rechtsstaatlich, demokratisch kontrollierbar und gemeinwohlorientiert gestaltet werden können.
Die Jury hob insbesondere Paschkes Engagement für eine moderne, digitaltaugliche Verwaltung hervor. Ihre Arbeit zur Verwaltungsdigitalisierung in Niedersachsen, zu digitaltauglichen Regelungen, Registermodernisierung und staatlicher Innovationsfähigkeit zeigt, wie juristische Expertise unmittelbar zur Handlungsfähigkeit des Staates beitragen kann. In einer Zeit, in der Vertrauen in öffentliche Institutionen auch von deren digitaler Leistungsfähigkeit abhängt, leistet sie damit einen wichtigen Beitrag zu einer bürgernahen und rechtssicheren Verwaltung.
Ebenfalls gewürdigt wurde ihr Engagement im Bereich der digitalen Justiz, insbesondere im Projekt TITAN zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz in gerichtlichen und justiznahen Kontexten. Dort steht nicht die bloße Effizienzsteigerung im Vordergrund, sondern die rechtsstaatlich zentrale Frage, wie KI-Systeme die Justiz unterstützen können, ohne richterliche Verantwortung, Verfahrensfairness, Transparenz und Vertrauen zu gefährden. Paschke zeigt damit beispielhaft, wie Innovation und Rechtsstaatlichkeit zusammengedacht werden können.
Internationale Anerkennung, etwa durch das Weltwirtschaftsforum in der Agile50-Liste „The World’s 50 Most Influential People Navigating Disruption“ sowie Auszeichnungen im GovTech-Bereich unterstreichen ihre herausragende Stellung zusätzlich.
Anne Paschke sagte anlässlich der Auszeichnung: „Die Auszeichnung ist für mich eine große Ehre und zugleich eine Bestätigung unserer Forschung. Die digitale Transformation hat mit der rasanten Entwicklung von Künstlicher Intelligenz eine neue Dynamik erhalten. Was vor einigen Jahren noch vieler Überzeugungsarbeit bedurfte, wird heute von immer mehr Menschen als gemeinsame Gestaltungsaufgabe verstanden. Diese Entwicklung freut mich besonders.“
Prof. Dr. Sarah Rachut wurde für ihr außergewöhnliches Engagement für eine Digitalisierung ausgezeichnet, die Teilhabe ermöglicht, Grundrechte wahrt und konkrete Probleme von Menschen löst. Die Jury würdigte sie als Wissenschaftlerin, die Digitalisierung nicht abstrakt behandelt, sondern immer danach fragt, wie rechtliche Rahmenbedingungen Innovation ermöglichen und zugleich Freiheit, Gleichheit, Fairness und Vertrauen sichern können.
Ein besonders prägnantes Beispiel ist ihr Beitrag zur Entwicklung der Bayerischen Fernprüfungserprobungsverordnung. In der Pandemie mussten Hochschulen in kürzester Zeit rechtssichere Wege finden, damit Studierende Prüfungen ablegen konnten, ohne Gesundheitsschutz, Chancengleichheit, Datenschutz und Prüfungsfairness preiszugeben. Die BayFEV ermöglichte Tausenden Studierenden die Fortsetzung ihres Studiums und wurde über Bayern hinaus beachtet. Die Jury sah darin ein eindrucksvolles Beispiel für gemeinwohlorientierte Rechtsgestaltung: Digitalisierung wurde hier nicht Selbstzweck, sondern konkrete Hilfe für Menschen in einer Ausnahmesituation.
Besonders hervorgehoben wurde auch Rachuts Engagement im Rahmen der Digital Future Challenge. Dort verbindet sie Nachwuchsförderung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und digitale Verantwortung. Studierende werden ermutigt, digitale Innovationen nicht nur technisch oder ökonomisch, sondern auch rechtlich, ethisch und gesellschaftlich zu denken. Damit leistet sie einen Beitrag zu einer neuen Generation von Gestalterinnen und Gestaltern der Digitalen Transformation.
Ihre wissenschaftliche Arbeit, insbesondere zu Grundrechtsverwirklichung in digitalen Kontexten, verdeutlicht den Kern ihres Ansatzes: Digitalisierung kann Grundrechte gefährden, sie kann aber auch Zugang, Teilhabe, Bildung und faire Verfahren ermöglichen. Recht ist dabei nicht nur Grenze, sondern Gestaltungskraft. Rachut zeigt, dass rechtswissenschaftliche Forschung gerade dann gesellschaftliche Wirkung entfaltet, wenn sie sich nicht auf klassische Karrierepfade beschränkt, sondern Haltung zeigt und Verantwortung übernimmt.
Auch ihr Engagement für niedrigschwellige rechtliche Unterstützung, etwa im Kontext digital gestützter First Legal Aid für ukrainische Geflüchtete, wurde von der Jury als Ausdruck eines konsequent gemeinwohlorientierten Rechtsverständnisses gewürdigt.
Prof. Dr. Sarah Rachut sagte anlässlich der Auszeichnung: „Wissenschaft entfaltet gerade dann Wirkung, wenn sie im Dialog mit Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft stattfindet. Die Verwirklichung von Grundrechten in digitalen Kontexten ist in meinen Augen dabei ein zentraler Faktor für eine gelingende digitale Transformation; dafür, dass Freiheitsräume erhalten, Teilhabe ermöglicht und so das Vertrauen in den Rechtsstaat gestärkt wird. Dass meine Arbeit nun mit dem For..Net Award ausgezeichnet wurde, bedeutet mir sehr viel und bestärkt mich in meiner Forschung. Den For..Net Award sehe ich besonders auch als Anerkennung für die vielen Menschen, mit denen ich in Forschung, Lehre und Praxis zusammenarbeiten durfte.“
Mit der doppelten Vergabe des 13. For..Net Award im Jubiläumsjahr des 20. For..Net Symposiums würdigt die Jury das überobligatorische Engagement und die Haltung zweier Rechtswissenschaftlerinnen, die sich um die Fortentwicklung des Verfassungs- und Verwaltungsrechts, die rechtssichere Implementierung digitaler Innovationen im Öffentlichen Sektor und eine faire Gestaltung relevanter Lebensbereiche verdient gemacht haben. Prof. Dr. Anne Paschke und Prof. Dr. Sarah Rachut haben gezeigt, dass die Digitale Transformation gelingen kann, wenn sie rechtssicher und menschenzentriert gestaltet wird.