Amtsfunk (FNMA 2026 Nominierte)
AMTSFUNK ist ein kuratierter digitaler Arbeits- und Austauschraum für Menschen, die die öffentliche Verwaltung und ihr Ökosystem aktiv weiterentwickeln möchten. Die Plattform schafft offene Themenräume, geschützte Public-Sector-Räume und fachliche Communities, in denen Erfahrungen, Fragen, Lösungsansätze und Learnings strukturiert geteilt werden können – jenseits klassischer Social-Media-Logiken, Verkaufshow oder algorithmischer Aufmerksamkeitsmechanismen.
Ziel von AMTSFUNK ist es, Wissen aus Kommunen, Ländern, Bund, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft dort miteinander zu verbinden, wo es für eine moderne Verwaltung wirksam wird: in der Praxis. Dafür setzt AMTSFUNK auf persönliches Onboarding, klare Regeln, Vertrauen, Austausch auf Augenhöhe und Räume, in denen auch unfertige Fragen, ehrliche Erfahrungen und kritische Reflexion Platz haben. Hinter AMTSFUNK stehen unter anderem Jana Janze und Felix Appel. Jana Janze beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Verwaltungsmodernisierung, GovTech, Organisationsentwicklung und der Frage, wie öffentliche Institutionen zukunftsfähiger, lernfähiger und vernetzter werden können. Felix Appel bringt die kommunale Perspektive sowie Erfahrungen im Bereich der Community-Gestaltung ein und verbindet die Verwaltungspraxis mit einem klaren Blick dafür, wie digitale Räume Vertrauen, Austausch und Zusammenarbeit ermöglichen können. Gemeinsam machen sie mit AMTSFUNK die Verwaltung vernetzter, mutiger und wirksamer.
Was bedeutet für Euch gemeinwohlorientierte Digitalisierung?
Gemeinwohlorientierte Digitalisierung bedeutet für uns, Digitalisierung konsequent von ihrem Zweck her zu denken: Sie soll demokratische Handlungsfähigkeit stärken, öffentliche Institutionen lernfähiger machen, Zugang zu Leistungen erleichtern und Menschen befähigen – innerhalb wie außerhalb der Verwaltung.
Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck und auch kein Wettbewerb um die lauteste Lösung. Gemeinwohlorientiert wird sie dort, wo sie fair, verständlich, sicher, barrierearm, verantwortungsvoll und wirksam gestaltet wird. Dazu gehört auch, über Risiken, Fehlentscheidungen und Zielkonflikte offen sprechen zu können. Denn gute Digitalisierung entsteht nicht nur durch Technologie, sondern durch Vertrauen, Zusammenarbeit, Wissensteilung und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.
Welchen Beitrag für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung leistet Ihr mit Eurer Arbeit?
Mit AMTSFUNK möchten wir einen Beitrag dazu leisten, dass Wissen in der Verwaltungsdigitalisierung nicht in Silos bleibt. Viele Herausforderungen der Verwaltungsmodernisierung werden heute an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig bearbeitet – oft ohne, dass Erfahrungen, Lösungsansätze oder Learnings strukturiert geteilt werden. Genau hier setzt AMTSFUNK an.
Wir schaffen einen Raum, in dem Menschen aus Verwaltung und Ökosystem leichter miteinander ins Gespräch kommen, konkrete Fragen stellen, Erfahrungen teilen und gemeinsam Lösungen weiterdenken können. Dabei geht es nicht um Selbstdarstellung, sondern um fachlichen Austausch, Orientierung und gegenseitige Unterstützung.
Besonders wichtig ist uns, unterschiedliche Raumtypen bewusst zu gestalten: offene Themenräume für breite Diskussionen, geschützte Public-Sector-Räume für vertraulichen Austausch innerhalb der öffentlichen Hand und fachliche Communities für konkrete Zukunftsthemen. So können auch Fragen gestellt werden, die auf öffentlichen Bühnen oft keinen Platz haben: Was hat wirklich funktioniert? Wo sind wir gescheitert? Welche Ausschreibung, Architektur, Governance oder Beteiligung war hilfreich? Und was würden wir beim nächsten Mal anders machen?
Unser Beitrag liegt darin, Vertrauen, Struktur und Sichtbarkeit für praxisnahes Wissen zu schaffen – damit Digitalisierung nicht punktuell, sondern gemeinsam lernend, wirksam und gemeinwohlorientiert vorankommt.
Was gefällt Euch an den beiden anderen Mitnominierten?
An Bianca Kastl schätzen wir besonders, dass sie Digitalisierung aus einer seltenen Kombination heraus betrachtet: technisch kompetent, kritisch, verwaltungsnah und menschenzentriert. Gerade im Gesundheitswesen wird deutlich, dass digitale Infrastrukturen keine abstrakten Systeme sind, sondern direkte Auswirkungen auf Menschen haben. Der Blick auf Schwachstellen, Sicherheit, Verantwortung und konkrete Umsetzung ist unbequem im besten Sinne. Er erinnert daran, dass gemeinwohlorientierte Digitalisierung nicht nur Begeisterung braucht, sondern auch Sorgfalt, Kritikfähigkeit und den Mut, Probleme klar zu benennen.
An Recht SymBadisch gefällt uns, dass hier die Justiz nahbar, verständlich und zeitgemäß kommuniziert. Gerade juristische Themen und rechtsstaatliche Institutionen werden von vielen Menschen als komplex oder distanziert wahrgenommen. Wenn die Aufgaben der Justiz, Medienrecht, Digitalisierung und demokratische Verantwortung so erklärt werden, dass Menschen einen Zugang finden, stärkt das Vertrauen in den Rechtsstaat. Besonders stark finden wir, dass digitale Öffentlichkeit hier nicht als reine Reichweitenlogik verstanden wird, sondern als Möglichkeit, Wissen, Orientierung und demokratische Verständlichkeit zu fördern.
Beide Mitnominierten zeigen aus unserer Sicht auf sehr unterschiedliche Weise, worum es bei gemeinwohlorientierter Digitalisierung geht: um Verantwortung, Verständlichkeit, Vertrauen und den Mut, digitale Räume so zu gestalten, dass sie Menschen und demokratischen Institutionen dienen.


Bianca Kastl (FNMA 2026 Nominierte)
Bianca Kastl ist eine deutsche IT-Sicherheitsforscherin, Softwareentwicklerin und Aktivistin. Sie beschäftigt sich seit der Corona-Pandemie mit digitalen Infrastrukturen am Schnittpunkt von digitaler Verwaltung und digitalem Gesundheitswesen. Bekannt wurde sie während der Pandemie durch ihre fundierte Kritik an der Luca-App und später für das Aufdecken von Schwachstellen in der elektronischen Patientenakte (ePA). Sie setzt sich ein für Open Source, Informationssicherheit sowie Datenschutz und Infrastrukturen, die allen Menschen digitale Teilhabe ermöglichen. Aktuell leitet sie als Product Ownerin die Digitalplattform „GA-Lotse“ für Gesundheitsämter aus der Stadt Frankfurt am Main heraus.
Was bedeutet für Dich gemeinwohlorientierte Digitalisierung?
Gemeinwohlorientierte Digitalisierung bedeutet für mich vor allem, dass Handeln im digitalen Raum einen Nutzen für uns als Gesellschaft als Ganzes stiftet. Digitalisierung, die gemeinwohlorientiert ist, darf nicht den Renditen und dem Gewinn einiger weniger auf Kosten vieler dienen. Gemeinwohlorientierte Digitalisierung ermöglicht Teilhabe, ist gemeinsam nach demokratischen Prinzipien gestaltbar, sie ist transparent und nimmt sich auch der Gruppen an, die oftmals als Minderheiten abgetan werden.
Welchen Beitrag für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung leistest Du mit Deiner Arbeit?
Meinen Beitrag für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung sehe ich als eine Art kritische Konstruktivität zu Aspekten der Digitalisierung von Verwaltung und Gesundheitswesen. Meine Arbeit ist seit längerem geprägt von dem Anspruch, selbst immer wieder zu zeigen, welche Folgen schlecht gemachte Digitalisierung haben kann, aber auch, wie sichere und gemeinwohlorientierte Digitalisierung aussehen kann. Dabei versuche ich, Aspekte gemeinwohlorientierter Digitalisierung immer über meinen eigenen Tellerrand hinaus zu betrachten. Manchmal arbeite ich daran, aus der Verwaltung heraus für Gesundheitsämter, wie etwa aktuell an GA-Lotse für die Stadt Frankfurt, manchmal aus zivilgesellschaftlicher Sicht als Vorsitzende des Innovationsverbunds Öffentliche Gesundheit (InÖG), manchmal etwas offensiver als ethische Hackerin, manchmal als Betrachtende in Meinungsbeiträgen, etwa für netzpolitik.org. Viele Sichtweisen und Perspektiven auf das eine Ziel der gemeinwohlorientierten Digitalisierung.
Was gefällt Dir an den beiden anderen Mitnominierten?
An den beiden Mitnominierten finde ich gut, dass beide zur Offenheit, Transparenz und Vernetzung beiden, beide auf ihre ganz eigene Art und Weise. Oft wirkt Arbeit mit Recht auf Außenstehende doch irgendwie nicht so nahbar.
Da ist dann der schöne Ansatz von Recht SymBadisch, juristisches Handeln nahbarer, offener und persönlicher zu machen. Offenheit und Vernetzung ist oftmals auch etwas, was im Verwaltungshandeln nicht so leicht fällt, Oft endet der Austausch im eigenen Amt, im eigenen Ministerium oder an der eigenen Landesgrenze. Da ist es ebenfalls schön, dass der Amtsfunk hier eine Safe Space schaffen will, der Vernetzung innerhalb der Verwaltung ermöglicht.
Recht SymBadisch (FNMA 2026 Nominierte)
Seit Oktober 2025 gewährt das Social Media Team des Oberlandesgerichts Karlsruhe unter dem Label „Recht SymBadisch“ auf kommerziellen wie nicht-kommerziellen Plattformen Einblick in die Justiz des OLG-Bezirks. In vielen unterschiedlichen Formaten werden rechtliche Themen verständlich erklärt und gezeigt, wie Gerichte arbeiten und was hinter den Kulissen vor sich geht. Ob spannende Entscheidungen, Wissenswertes rund um den Rechtsstaat oder authentische Einblicke in verschiedene Berufsgruppen – Ziel von Recht SymBadisch ist es, die Justiz transparent und nahbar zu machen, den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern zu fördern und zu vermitteln, dass eine unabhängige Justiz für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist und allen Menschen offensteht. Das Geheimrezept des Accounts: viele sehr symbadische Menschen, die die Begeisterung für ihre Aufgabe gern teilen.
Was bedeutet für Euch gemeinwohlorientierte Digitalisierung?
Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Dafür sind Begegnungen von Mensch zu Mensch viel zu wichtig, das gilt in besonderer Weise für die Justiz, deren vornehmste Aufgabe es ist, rechtliches Gehör zu gewähren, den Menschen also aufmerksam zuzuhören. Digitalisierung muss deshalb einen Mehrwert bieten, muss Abläufe erleichtern, Zugangsschwellen senken oder im besten Fall neue Dinge ermöglichen. Gemeinwohlorientierte Digitalisierung bedeutet für uns deshalb, stets zu fragen, welche Gesamtwirkung damit einhergeht: Erreichen wir mehr Menschen auf diesem Weg? Machen wir es den Menschen, für die wir arbeiten, damit leichter, ihre Anliegen zu uns zu bringen? Machen wir es den Menschen, die bei uns arbeiten, damit leichter, ihre Aufgaben gut zu erfüllen? Und bleibt genug Zeit und Raum für menschliche Begegnungen, wenn wir digitalisieren?
Welchen Beitrag für eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung leistet Ihr mit Eurer Arbeit?
Auf unserem Account Recht SymBadisch vermitteln wir Themen rund um die Justiz verständlich und alltagsnah und machen diese über die sozialen Medien allen zugänglich. So wird der Zugang zu Informationen über rechtliche Themen und die Arbeit der Justiz erleichtert. Gleichzeitig ist es unser Ziel, durch unsere Beiträge Transparenz zu schaffen und Vertrauen in die Justiz zu fördern, wasgerade in der heutigen Zeit, wo viele Menschen den Wert von Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Demokratie nicht mehr (an-)erkennen von besonderer Wichtigkeit scheint. Um wirklich allen Menschen die Möglichkeit zu geben, an unseren Angeboten teilzuhaben, präsentieren wir unsere Arbeit auch auf nicht kommerziellen Plattformen wie Mastodon und Bluesky.
Was gefällt Euch an den beiden anderen Mitnominierten?
An AMTSFUNK gefällt uns besonders die Idee, Menschen aus der öffentlichen Verwaltung auf einer gemeinsamen Plattform miteinander zu vernetzen. So können Erfahrungen, Ideen und Lösungen ausgetauscht und gute Ansätze schneller von anderen übernommen werden. Wir sind uns sicher, dass die Plattform einen großen Beitrag zu einer effizienteren Digitalisierung der Verwaltung leisten wird. Hut ab vor diesem tollen Projekt!
An Bianca Kastl gefällt uns ihre Selbstbeschreibung als digitale Erklärbärin am besten 😉 Daneben finden wir ihr Engagement bei der Unterstützung von Gesundheitsämtern bei der Digitalisierungsuper. Schließlich ist das ein Bereich, mit dem wirklich jeder Mensch im Laufe seines Lebens irgendwann zu tun haben wird. Wie viel gemeinwohlorientierter könnte eine Arbeit also sein?

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