Im Rahmen eines aktuellen Interviews mit academics.de gab Dr. Sarah Rachut, Postdoc am Lehrstuhl für Recht und Sicherheit der Digitalisierung sowie Geschäftsführerin des CDPS, Einblicke in ihre Forschung und ihre Perspektive auf zentrale Fragen der digitalen Transformation im öffentlichen Sektor.
Ein zentrales Anliegen: die grundlegende Neuausrichtung staatlichen Handelns im digitalen Zeitalter. Für die Zukunft der digitalen Verwaltung wünscht sich Rachut einen echten Systemwechsel – weg von der antragsbasierten Verwaltung hin zu einem proaktiven Staat, der berechtigte Ansprüche eigenständig erkennt und umsetzt. Bürger:innen sollten nicht mehr gezwungen sein, Informationen und Nachweise mühsam zusammenzutragen, die der Staat ohnehin bereits hat. Digitale Technologien könnten Prozesse nicht nur effizienter, sondern auch fehlerärmer gestalten – und gleichzeitig die Mitarbeitenden entlasten, damit diese sich auf Aufgaben konzentrieren können, die menschliches Urteilsvermögen und Empathie erfordern.
Dass das Recht – insbesondere der Datenschutz – häufig als Bremse der Digitalisierung verstanden wird, hält sie für eines der größten Missverständnisse. Ein häufig übersehener Aspekt ist, dass Datenschutzrecht primär dem Schutz von Persönlichkeitsrechten dient – und nicht allein dem der Daten selbst. Viele wertvolle Daten, etwa Maschinen- oder Objektdaten, sind davon gar nicht betroffen. Und auch bei personenbezogenen Informationen geht es nicht um pauschale Verbote, sondern um eine differenzierte Abwägung verschiedener Interessen. Vieles, was rechtlich möglich wäre, werde aktuell schlicht nicht genutzt.
In ihrer Forschung widmet sich Rachut verfassungs- und europarechtlichen Fragen rund um Künstliche Intelligenz, staatliche Datenverarbeitung und die Rolle digitaler Plattformen. Sie untersucht etwa, wie und unter welchen Voraussetzungen KI in Verwaltung und Justiz eingesetzt werden kann – und welche neuen rechtlichen Rahmenbedingungen dafür erforderlich sind. Gleichzeitig richtet sie den Blick auch auf private Akteure, deren Algorithmen zunehmend Einfluss auf gesellschaftliche Meinungsbildungsprozesse nehmen.
Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit gestaltet Rachut als geschäftsführende Leiterin des CDPS die strategische Entwicklung des Zentrums mit. Die Kombination aus Forschung und Führung erlebt sie als bereichernd – nicht zuletzt, weil Führungsaufgaben im juristischen Berufsalltag weit verbreitet, in der Ausbildung jedoch kaum thematisiert sind.