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Ein Rückblick auf das 19. Internationale For..Net Symposium

Am 24. und 25. April 2025 fand das 19. Internationale For..Net Symposium in den Räumlichkeiten der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern statt. Das Symposium stand in diesem Jahr erneut unter Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministers für Justiz, Georg Eisenreich, MdL, und wurde erneut durch das TUM Center for Digital Public Services (TUM CDPS) und das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) ausgerichtet. Mit dem Internationalen For..Net Symposium werden seit über 15 Jahren hochkarätige Referentinnen und Referenten nach Passau und seit 2022 in die bayerische Landeshauptstadt München eingeladen. Das diesjährige Symposium stand unter dem Motto: „KI im demokratischen Rechtsstaat: Innovation – Integration – Illusion“.

Impressionen

Tag 1 – Donnerstag 24.04.2025

Prof. Dr. Alexander Pretschner, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf
Dr. Sarah Rachut, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Prof. Dr. Alexander Pretschner, Vorsitzender des bidt-Direktoriums, und Dr. Sarah Rachut, Geschäftsführerin des TUM CDPS, eröffneten den ersten Veranstaltungstag jeweils mit einer herzlichen Begrüßung. Dabei hoben sie die beeindruckende Präzision hervor, mit der der For..Net-Gründervater Prof. Dr. Dirk Heckmann auch in diesem Jahr erneut den Nerv der Zeit getroffen hat.

Georg Eisenreich MdL, Bayerischer Staatsminister der Justiz, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Sodann folgte eine visionäre Keynote von Georg Eisenreich, MdL, Bayerischer Staatsminister der Justiz, der sich per Videobotschaft an das Publikum wandte. Darin betonte er die Rolle generativer KI als „Game Changer“ für Demokratie, Staat und Gesellschaft – und insbesondere für das Recht.

„Demokratisches Leben in Zeiten von Stargate und DeepSeek“ – unter diesem Titel offenbarte der erste Themenblock des Symposiums eindrucksvoll die enorme Wirkungsmacht (generativer) KI-Systeme auf den demokratischen Rechtsstaat. Aus unterschiedlichsten fachlichen Blickwinkeln machten die Referentinnen und Referenten deutlich, dass trotz diverser Herausforderungen Einigkeit darüber herrscht: Die Potenziale generativer KI-Technologien müssen durch eine verantwortungsvolle und werteorientierte Anwendung zum Wohle von Demokratie und Rechtsstaat nutzbar gemacht werden. In den Vorträgen wie auch in der anschließenden, von Prof. Dr. Dirk Heckmann moderierten Diskussion wurde dies besonders greifbar.

Prof. Dr. Dirk Heckmann, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Stefanie Otte, Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle, beleuchtete in ihrem Vortrag zu „Künstlicher Intelligenz und Rechtsstaat“ eindrucksvoll, wie (generative) KI bereits heute in der Justiz erprobt und eingesetzt wird.

Stefanie Otte, Präsidentin des Oberlandesgerichts Celle, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Dabei unterstrich Sie auch, in welchen Bereichen einer digitalisierten Justiz noch erhebliches Reformpotenzial schlummert. Klar wurde dabei: KI kann den Rechtsstaat stärken – vorausgesetzt, sie wird im Einklang mit Recht und Gesetz angewendet.


Dr. Katja Muñoz, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Den Abschluss des ersten Teils gestaltete Dr. Katja Muñoz, Research Fellow bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e. V. Mit ihrem Vortrag „Demokratie im KI-Zeitalter: Zwischen Chancen, Manipulation und geopolitischer Machtverlagerung“ gewährte sie einen spannenden Einblick in die Dualität von KI als Chance und Risiko für demokratische Systeme. Anschaulich zeigte sie auf, wie tiefgreifend KI-Technologien Demokratie beeinflussen – und dass die Zukunft demokratischer Strukturen im KI-Zeitalter entscheidend vom Verständnis dieser Dualität abhängt.


Dr. Katja Muñoz, Stefanie Otte, Prof. Dr. Dirk Heckmann, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Nach einer Diskussionsrunde mit den Referentinnen und Referenten und einer kurzen Kaffeepause ging es mit dem zweiten Teil des ersten Themenblocks weiter.

Prof. Dr. Ute Schmid, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Den zweiten Teil des ersten Themenblocks Demokratisches Leben in Zeiten von Stargate und DeepSeek“ gestaltet Prof. Dr. Ute Schmid, Professorin für Kognitive Systeme an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, mit ihrem Vortrag Mensch-KI-Co-Creation von Programmcode“. Nach einer anschaulichen und lebendigen Einführung in die technischen Grundlagen (generativer) KI zog sie einen eindrucksvollen Vergleich zur humanen Intelligenz und zum menschlichen Lernen – das, so Schmid, ungeachtet aller technologischen Fortschritte in seiner Mächtigkeit faszinierend“ bleibe. Klar wurde: Der Einsatz von KI zur Unterstützung komplexer Entscheidungsprozesse setzt die Fähigkeit voraus, ihre Ausgaben kritisch hinterfragen zu können.


Prof. Dr. Jürgen Pfeffer, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Prof. Dr. Jürgen Pfeffer, Inhaber der Professur für Computational Social Science and Big Data an der TU München, widmete sich dem Thema „Himmlische KI-Versprechen und reale Nebenwirkungen“. Anhand eindrucksvoller Beispiele zeigte er auf, wie stark Daten – insbesondere durch Plattformen – menschliches Verhalten beeinflussen können. Dabei stellte er die zentrale Frage, ob und wie sich die Auswirkungen von KI auf Grundrechte messbar machen lassen. Klar wurde: Auch wenn generative KI-Systeme moralisch widersprüchlich agieren, verlassen sich immer mehr Menschen bei ethischen Entscheidungen auf ihre Ausgaben – ein reales Risiko, ganz ohne dystopisches Szenario.


Dr. Michael Klimke, Prof. Dr. Dirk Heckmann, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Daran anschließend folgte der erste For..Net Talk des diesjährigen Symposiums: Prof. Dr. Dirk Heckmann diskutierte mit Dr. Michael Klimke, Geschäftsführer der BAIOSPHERE AGENCY / Bayerischen KI-Agentur, über „Künstliche Intelligenz und reale Lösungen“. Im Mittelpunkt stand die Rolle von BAIOSPHERE im bayerischen KI-Ökosystem sowie ein Ausblick auf die KI-Anwendungen, deren Vertreterinnen und Vertreter anschließend im For..Net-Labor ihre Projekte, Ideen und Geschäftsmodelle präsentierten.

Impressionen des For..Net Labors


Galaabend beim For..Net-Symposium – das bedeutet traditionell: Award-Abend!

Der 12. For..Net Award für herausragendes Engagement im Sinne einer gemeinwohlorientierten Digitalisierung ging in diesem Jahr an HateAid – eine Organisation, die sich wie keine andere in Deutschland und darüber hinaus gegen digitale Gewalt, Hass und Hetze im Netz und damit für Menschenrechte und Persönlichkeitsschutz einsetzt.

Franziska B., Désirée Mendonça, Dr. Sarah Rachut, Prof. Dr. Dirk Heckmann, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

In Ihrer bewegenden Laudatio betonte Dr. Sarah Rachut, dass durch das Engagement von HateAid nicht die Lautesten, sondern diejenigen Gehör finden, die – oft unter schwierigen Bedingungen – Haltung zeigen.
Den Preis nahmen Franziska B. und Désirée Mendonça stellvertretend für HateAid entgegen. Herzlichen Dank nochmal an dieser Stelle für dieses wegweisende Engagement.
Ein besonderer Dank gilt auch dem Neubürger Künstler Josef Nistler für die Gestaltung des Awards sowie unserer Preispatin, der juris GmbH.

Dr. Sarah Rachut, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Ein weiteres Highlight des Abends: Bereits zum sechsten Mal wurde der For..Net Media Award als Publikumspreis verliehen – für besondere Verdienste um eine gemeinwohlorientierte Digitalisierung.
Die drei Nominierten beeindruckten mit ihren individuellen Formaten und ihren Pitches, für die ihnen jeweils fünf Minuten zur Verfügung standen. Überzeugen konnten sie alle – doch am Ende fiel die denkbar knappe Wahl auf Prof. Dr. Franz-Alois Fischer, dem wir herzlich zum Gewinn des 6. For..Net Media Awards gratulieren!
Dass dieser Preis mehr als verdient ist, wurde nicht zuletzt durch die lebendige Laudatio von Prof. Dr. Dirk Heckmann deutlich.
Ein großes Dankeschön auch an Tahireh Panahi und Prof. Dr. Nikolaus Forgó für ihre großartigen Beiträge – und an alle drei Nominierten für ihr beeindruckendes Engagement.
Auch hier ist dem Neubürger Künstler Josef Nistler für die Gestaltung des Awards sowie dem Preispaten Hubert Burda Media, vertreten durch Jürgen Kempter und Dr. Martin Scheurer, zu danken.

Tahireh Panahi, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf
Jürgen Kempter, Prof. Dr. Franz-Alois Fischer, Prof. Dr. Dirk Heckmann, Dr. Martin Scheurer, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Abgerundet wurde der erste Tag durch die Vergabe der Tombolapreise, welche hauptsächlich Buchpreise waren. Preispaten waren hier überwiegend der C.H.Beck Verlag sowie die juris GmbH.


Tag 2 – Freitag 25.04.2025

„Künstliche Intelligenz im Spiegel von Recht und Rechtsschutz“ – so lautete der erste Themenblock des zweiten Tages beim 19. Internationalen For..Net Symposium. Im Fokus stand die faktische Macht generativer KI-Systeme und die Frage, wie das Recht dieser wirksam begegnen kann. Aus verschiedenen Perspektiven wurde deutlich: Recht kann den verantwortungsvollen Einsatz von KI und den Umgang mit Plattformen steuern – vorausgesetzt, es wird auch konsequent und kompetent angewendet.

Nicolas Ziegler, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Prof. Dr. Henrike Weiden, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Prof. Dr. Henrike Weiden beleuchtete in ihrer Keynote „Plattformökonomie und Macht“ die Wirksamkeit des Digital Services Act. Ihr Plädoyer: Eine am Schutzzweck ausgerichtete Regulierung, die als Schutzschirm für europäische Grundrechte und Werte wirkt.

Podcast mit Prof. Dr. Henrike Weiden zu dem Thema KI im Rechtsstaat – Digital Service Act und Robo-Richter


Dr. Sebastian Dötterl, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Dr. Sebastian Dötterl, Richter am OLG München, thematisierte das Spannungsfeld richterlicher Co-Creation mit KI. Dabei zeigte er sowohl die Potenziale als auch die Risiken für die richterliche Unabhängigkeit auf – und betonte die Bedeutung reflektierter Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine.


Philipp Eder, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Philipp Eder, Geschäftsführer der Allianz Rechtsschutz-Service-GmbH, bot zum Abschluss Einblicke in KI-Anwendungen in der Rechtsschutzversicherung. Im Zentrum: die Macht der Sprache und die Chancen für neue Geschäftsmodelle im digitalen Rechtsmarkt.


In einer anschließenden Diskussion, moderiert von Nicolas Ziegler, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Professor Heckmann, vertieften die Referentin und Referenten ihre Vortragsthemen und Thesen. Sie nahmen Stellung zu Fragen aus dem Publikum und gaben differenzierte Einblicke in die Praxis.

Philipp Eder, Dr. Sebastian Dötterl, Prof. Dr. Henrike Weiden, Nicolas Ziegler, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Prof. Dr. Dirk Heckmann, Maria Christina Rost, Landesbeauftragte für den Datenschutz in Sachsen-Anhalt, Vera Cornette, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Den Schlusspunkt des Symposiums setzte der zweite For..Net Talk mit dem Titel „KI als Herausforderung für die Datenschutzaufsicht“. Im Gespräch mit Maria Christina Rost, Landesbeauftragte für den Datenschutz in Sachsen-Anhalt, beleuchteten Prof. Dr. Dirk Heckmann und Vera Cornette, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation & Strategie im Bayerischen Staatsministerium für Digitales, aktuelle Herausforderungen in der Datenschutzaufsicht. Das Gespräch mündete in ein klares Plädoyer für einen modernen Datenschutz, der Schutz und Nutzung verantwortungsvoll verbindet.


Prof. Dr. Dirk Heckmann, Bildquelle: bidt/CDPS/Klaus D. Wolf

Damit endete ein abermals hochkarätiges For..Net Symposium, das unter dem Leitthema „KI im demokratischen Rechtsstaat“ vielfältige Perspektiven, Chancen und Handlungsoptionen aufgezeigt hat. Die gewonnenen Eindrücke wurden in den Pausen engagiert weiterdiskutiert und sollen über das Format hinaus Impulse für neue Initiativen geben.

Wir bedanken uns bei